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Wie Eisbaden deine Psyche positiv beeinflussen kann und bei Depressionen, ADHS und Ängsten helfen kann

Hast du schon einmal etwas von Eisbaden gehört? Nein, ich meine nicht das Planschen im kalten Wasser während des Sommers, sondern das gezielte Eintauchen in eiskaltes Wasser. Du hast es sicher schon gehört oder vielleicht sogar selbst ausprobiert: Eisbaden. Ein Trend, der in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist und mittlerweile immer mehr Menschen in seinen Bann zieht. Doch was genau steckt eigentlich hinter diesem Phänomen? Und warum solltest auch du es unbedingt mal ausprobieren? Vielleicht denkst du jetzt: "Warum sollte ich mich freiwillig in eisiges Wasser begeben?"



Doch glaube mir, es könnte sich lohnen, denn Eisbaden hat nicht nur körperliche, sondern auch psychische Auswirkungen. In diesem Blogbeitrag möchte ich mit dir über die Wirkung des Eisbadens auf die Psyche sprechen und wie es unseren Hormonhaushalt, insbesondere das Glückshormon Dopamin, beeinflusst. Außerdem gehen wir der Frage nach, ob und wie das Eisbaden bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, ADHS oder Ängsten helfen kann. Also schnapp dir eine warme Tasse Tee, mach es dir gemütlich und lerne heute etwas erfrischendes ;).


Herkunft


Erste Erfahrungen auf die gesundheitlichen Vorteile des Kaltwasserschwimmens gehen auf das Jahr 400 v. Chr. zurück. Hippokrates zufolge linderte die Wasserkur die Ermüdung, und später soll Thomas Jefferson jeden Morgen sechs Jahrzehnte lang ein kaltes Fußbad genommen haben, um gesund zu bleiben. Auch Sebastian Kneipp, ein bayerischer Priester und Naturheilkundler des 19. Jahrhunderts, propagierte die therapeutische Wirkung von Wasser für die Gesundheit. Die Kneipp-Therapie umfasst verschiedene Anwendungen, darunter das Waten in kaltem Wasser, das Gießen von kaltem Wasser über den Körper und das Einweichen in kaltem Wasser, ähnlich dem Prinzip des Eisbadens.




Positive Auswirkungen


Das Eisbaden, auch bekannt als Kaltwasser-Bäder oder Kaltwasser-Schwimmen, wird oft mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht, darunter die Stärkung des Immunsystems, die Linderung von Angststörungen und die Verbesserung der Blutzirkulation. Doch trotz zahlreicher Behauptungen basieren viele dieser Aussagen hauptsächlich auf persönlichen Erfahrungen und nicht auf wissenschaftlichen Beweisen. ich konnte dennoch einige Studien finden, bei welchen einige physiologische und psychologische Auswirkungen aufgedeckt werden konnten, die durch regelmäßiges Kaltwasserschwimmen hervorgerufen werden.


Endokrines System


Eine der beobachteten Anpassungsreaktionen betrifft verschiedene Hormone, darunter verringerte Triglycerid- und Homocysteinwerte, die mit einer günstigeren Herz-Kreislauf-Gesundheit assoziiert sind. Allerdings weisen einige Forscher darauf hin, dass Eisbaden trotz dieser positiven Effekte eine Belastung für das Herz darstellen kann (siehe weiter unten!). Die Plasmakonzentrationen von Hormonen wie Adrenokortikotropin und Kortisol nehmen tendenziell ab, während es beim Norepinephrin keinen Gewöhnungseffekt gibt. Letzteres könnte für die Schmerzregulation während des Kaltwasserschwimmens eine Rolle spielen.



Immunsystem


Ein weiterer behaupteter Vorteil des Eisbadens ist eine verbesserte Immunfunktion. Obwohl einige Studien einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Kaltwasserschwimmen und einer verringerten Häufigkeit von Erkältungssymptomen gefunden haben, sind die Ergebnisse uneinheitlich. Einige Untersuchungen zeigen, dass kurze Bäder in kaltem Wasser die Aktivität des Immunsystems verbessern können, während wiederholte und längere Expositionen die Immunfunktion möglicherweise sogar beeinträchtigen können.

Einige Studien haben gezeigt, dass intensive kurzfristige Ganzkörperkältebelastung bei Winterschwimmern eine oxidative Stressreaktion hervorruft. Im Vergleich zu Kontrollgruppen waren die Basiskonzentrationen wichtiger Bestandteile des antioxidativen Abwehrsystems bei den Winterschwimmern höher.



Psychische Gesundheit


In Bezug auf psychische Gesundheit zeigen Fallstudien teilweise deutliche Verbesserungen bei Depressionen und Angststörungen durch regelmäßiges Kaltwasserschwimmen. Doch wie hängt das zusammen? Und wie kann kaltes Duschen oder Eisbaden bei ADHS unterstützen?


Depressionen


Eisbaden kann bei Depressionen auf verschiedene Weisen helfen:


  1. Freisetzung von Endorphinen: Das Eisbaden kann eine Freisetzung von Endorphinen auslösen, die oft als "Glückshormone" bezeichnet werden. Endorphine haben eine schmerzlindernde und stimmungsaufhellende Wirkung, die dazu beitragen kann, depressive Symptome zu reduzieren und ein Gefühl des Wohlbefindens zu fördern.

  2. Verbesserung der Durchblutung und Entzündungshemmung: Die Exposition gegenüber kaltem Wasser beim Eisbaden kann die Durchblutung verbessern und entzündungshemmende Wirkungen haben. Dies kann dazu beitragen, körperliche Beschwerden zu lindern, die häufig mit Depressionen einhergehen, wie z. B. Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen.

  3. Steigerung der Selbstwirksamkeit:  Die positiven Erfahrungen der Überwindung können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl zu stärken und das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu verbessern, was wiederum zur Bewältigung von Depressionen beitragen kann.



Ängste


Eisbaden kann auch bei der Bewältigung von Ängsten helfen, indem es verschiedene positive Effekte auf den Körper und den Geist hat:


  1. Aktivierung des sympathischen Nervensystems: Das Eintauchen in kaltes Wasser löst eine Stressreaktion im Körper aus, indem es das sympathische Nervensystem aktiviert. Diese Aktivierung kann dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress zu stärken und die Fähigkeit des Körpers zu verbessern, mit Angst umzugehen.

  2. Entspannung: Obwohl das Eisbaden zunächst stressig erscheinen mag, kann die anschließende Aktivierung des parasympathischen Nervensystems eine tiefe Entspannung und ein Gefühl der Ruhe auslösen.

  3. Steigerung des Selbstvertrauens: Das Überwinden der eigenen Angst vor kaltem Wasser und das Eintauchen in ein Eisbad kann ein Gefühl der Leistung und des Selbstvertrauens vermitteln. Diese positive Erfahrung kann dazu beitragen, das Selbstwertgefühl zu stärken und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu verbessern, was wiederum zur Bewältigung von Ängsten beitragen kann.




ADHS


Menschen mit ADHS haben einen chronischen Dopaminmangel. Dieser kann zu einer Reihe von Symptomen und Verhaltensweisen führen, die charakteristisch für diese Störung sind. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Regulation von Aufmerksamkeit, Motivation, Belohnung und Impulskontrolle spielt. Wenn dieser Neurotransmitter in unzureichenden Mengen im Gehirn vorhanden ist, können folgende Auswirkungen auftreten:


  • Aufmerksamkeitsprobleme

  • Impulsivität

  • Hyperaktivität

  • Belohnungsmangel


Es gibt in einige Studien Hinweise darauf, dass kalte Duschen und Eisbaden einen positiven Einfluss auf die Dopaminproduktion und -freisetzung haben können, was dazu beiträgt, einem möglichen Dopaminmangel entgegenzuwirken. Hier sind einige Erklärungen dafür:


  1. Aktivierung des sympathischen Nervensystems: Kalte Exposition, sei es durch kalte Duschen oder Eisbaden, aktiviert das sympathische Nervensystem. Diese Aktivierung führt zu einer Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin im Gehirn, was zu einem Anstieg des Energielevels und der Aufmerksamkeit führen kann.

  2. Verminderung der Cortisolproduktion: Weniger Stress bedeutet auch weniger Cortisolproduktion, was dazu beiträgt, die Dopaminrezeptoren zu schützen und den Dopaminspiegel im Gehirn zu stabilisieren.

  3. Stimmungsaufhellung: Eine kalte Dusche oder ein Eisbad kann auch eine sofortige Stimmungsaufhellung bewirken. Dies wird durch die Freisetzung von Endorphinen und anderen "Glückshormonen" im Gehirn vermittelt, die eine positive Wirkung auf die Stimmung haben können. Eine verbesserte Stimmung kann dazu beitragen, den Antrieb und die Motivation zu steigern, was wiederum die Dopaminproduktion fördern kann.

  4. Förderung der Achtsamkeit: Das Eisbaden erfordert Konzentration und Achtsamkeit auf den eigenen Atem und die körperlichen Empfindungen. Diese Achtsamkeitspraxis kann dazu beitragen, den Geist zu beruhigen und die Gedanken zu klären, was die Fähigkeit verbessern kann, mit den Symptomen der ADHS umzugehen.


Risiken


Wenn Kaltwasserschwimmen von Personen mit guter allgemeiner Gesundheit regelmäßig, schrittweise (mit den Jahreszeiten) und angepasst praktiziert wird, scheint es einige gesundheitliche Vorteile zu bringen. Auf der anderen Seite besteht ein tödliches Risiko , wenn man nicht vertraut ist oder nicht ausreichend angepasst ist, entweder aufgrund der initialen neurogenen Kälteschockreaktion oder aufgrund eines progressiven Rückgangs der Schwimmeffizienz oder progressiver Unterkühlung.

Zusätzlich können Personen mit offensichtlichen oder bisher unerkannten kardiovaskulären Pathologien anfälliger für Nebenwirkungen sein, da sie Arrhythmien und akute kardiovaskuläre Ereignisse verursachen können, die ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen. Daher ist eine schrittweise Strategie sowohl zum Beginn als auch zum Aufbau und zur Erweiterung dieser Aktivität angeraten, um einerseits die Akklimatisierung zu fördern und aufrechtzuerhalten, sich vor möglichen Risiken der Kaltwasserexposition zu schützen und möglicherweise von den vielversprechenden gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren.


Fazit


Eisbaden, eine alte Praxis, die in der heutigen Zeit wiederentdeckt wird, birgt nicht nur die Möglichkeit, sich in eiskaltem Wasser zu erfrischen, sondern bietet auch eine Vielzahl von potenziellen gesundheitlichen und psychologischen Vorteilen. Während einige dieser Vorteile auf persönlichen Erfahrungen basieren und weitere wissenschaftliche Untersuchungen erfordern, zeigen doch zahlreiche Studien vielversprechende Ergebnisse über die positiven Auswirkungen von Eisbaden auf den Körper und den Geist.


Von der Stärkung des Immunsystems über die Linderung von Depressionen bis hin zur Bewältigung von Ängsten und ADHS - Eisbaden hat das Potenzial, eine wertvolle Ergänzung zu einem ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens zu sein.

Dennoch ist es wichtig, Eisbaden mit Vorsicht und unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und Grenzen zu praktizieren. Für manche Menschen mag der Gedanke an das Eintauchen in eiskaltes Wasser abschreckend wirken, aber für diejenigen, die sich darauf einlassen, kann Eisbaden eine erfrischende und belebende Erfahrung sein, die nicht nur den Körper, sondern auch die Seele stärkt.


Also, vielleicht ist es an der Zeit, sich aus der Komfortzone zu wagen und sich auf das Abenteuer des Eisbadens einzulassen. Wer weiß, vielleicht entdeckst du dabei nicht nur eine neue Form der Entspannung und Erfrischung, sondern auch eine wertvolle Möglichkeit, deine Gesundheit und dein Wohlbefinden auf ganz neue Weise zu verbessern.


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